Präsidentenbrief

Jahresbrief des Präsidenten

 

Liebe Mitglieder der ÖFVJänner 2022
Chers membres de l’association

 

Sie werden auch in diesem Jahr in der Anlage keinen Zahlschein betreffend den Jahresmitgliedsbeitrag vorfinden. Wir haben im Vorstand beschlossen, das erste Halbjahr 2022 abzuwarten, um zu sehen, wie sich die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen entwickeln.

Sollten im zweiten Halbjahr (oder auch schon vorher) Veranstaltungen unter normalen Umständen wieder möglich sein, werden wir entweder einen entsprechend reduzierten Mitgliedsbeitrag vorsehen oder einen Kostenbeitrag zu jeder Veranstaltung vorschlagen.

Auf jeden Fall möchten wir uns an dieser Stelle nochmals bei all jenen herzlichst bedanken, die trotz allem den Mitgliedsbeitrag eingezahlt beziehungsweise eine Spende überwiesen haben.

Selbst ein kurzer Rückblick auf die erwarteten und nicht erwarteten Ereignisse der letzten Monate in der Innen- und Weltpolitik würde den Rahmen eines Jahresbriefes sprengen. Dass es länger dauern würde, mit der Pandemie fertig zu werden, war vielen klar, ohne dass man Auswirkungen und Strategien betreffend neue Mutationen hätte bestimmen können.

Auch dass die wirtschaftlichen Folgen erheblich sein würden, ganz gleich ob es sich um unterbrochene Lieferketten oder den finanziellen Aufwand zur Abfederung der negativen ökonomischen Folgen handelt, war allen bewusst – und sie sind noch lange nicht wirklich abschätzbar.

Was vielleicht nicht bewusst war, war die Tatsache, wie sehr die Spaltung der Gesellschaft fortschreiten würde. Und was vielleicht noch schwerer abzuschätzen war, ist das politische Kalkül, das manche Parteien und selbst Staaten daraus zu ziehen versuchen.

An anderer Stelle kann besser und detaillierter über die Spaltung der Gesellschaft in den USA, das Agieren der Regierung in Großbritannien, die Akteure im Ukraine-Konflikt aber selbst die politische Entwicklung in Österreich, um nur ein paar Schauplätze zu nennen, nachgelesen werden.

In Zeiten wirtschaftlicher Probleme haben in der Geschichte Staatsmänner immer wieder einen Ausweg in militärischem Aktionismus gesucht und die nationale, patriotische Karte gespielt.

Bei all dem Populismus, der Demagogie, der Falschinformation, der Hetze ist unschwer zu erkennen, wie sehr umfangreiche und überprüfbare Information von Bedeutung ist.

Da kommt auch die Österreichisch-Französische Vereinigung ins Spiel.

An den am 11. Dezember 2001 beschlossenen Zielen und Aufgaben der Vereinigung hat sich nichts geändert, auch wenn die Ausgangssituation eine andere war. Es lohnt sich, das „Programm“ der Vereinigung auf der Webseite (oefv.org) nachzulesen.

Ganz gleich, ob es die weltweiten Bemühungen um einen Impfstoff, das Schaffen von Testvoraussetzungen oder die unzähligen immer wieder anzupassenden Studien betrifft, wir sind überzeugt, dass nur ein gemeinschaftliches Vorgehen, ein Bündeln der Kräfte und Ressourcen zu schnellen und nachhaltigen Lösungen führen kann – und dass dazu, insbesondere in Europa , in der EU oder der erweiterten EU Verständnis für einander nötig ist, für das Gemeinsame sowie für das Trennende.

Das Verständnis bedingt aber ein Kennen, ein Wissen voneinander. Was Frankreich und Österreich betrifft, so wollen wir nach wie vor unseren Beitrag dazu leisten.

Mit großer Trauer haben wir in diesem Jahr über das Ableben des Gründers und ersten Präsidenten der Vereinigung Dr. Hans Kourimsky berichten müssen. Ohne seine Initiative und sein Engagement hätte die ÖFV, die im vorigen Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag erlebt hat, nicht das Licht der Welt erblickt .

Sobald es möglich ist, werden wir den 20. Geburtstag der Vereinigung nachfeiern. Die Feier wird der Feier zum 10. Jahrestag nicht nachstehen.

Das Jahr 2021 war, was Veranstaltungen der ÖFV betrifft, trotz aller Pläne, die wir hatten, dürftig.

Es ist uns gelungen ein kurzes Zeitfenster zwischen den Lockdowns zu nutzen.

So konnten wir am 21. September im Theater am Spittelberg zu einem LIVE-Chanson Abend mit „La Viennaise“ mit Brigitte und Roland Guggenbichler, laden.

Am 12. Oktober hielt Dr. Alfred Noe einen Vortrag über „Charles Baudelaire – l’enfant terrible de la poésie française“ in der Diplomatischen Akademie.

Beide Veranstaltungen fanden unter den vorgeschriebenen Sicherheitsbestimmungen statt.

Die Reise in die Bretagne musste neuerlich verschoben worden.

Ab da waren uns wieder die Hände gebunden und die geforderten Bedingungen unerfüllbar beziehungsweise in jeder Hinsicht unrentabel.

Nach einem Wechsel an der Spitze der Französischen Botschaft, des Französischen Kulturinstituts und des Französischen Lyzeums dürfen wir nach Kontaktnahmen berichten, dass sich eine Zusammenarbeit (auch was die Anmiete von Räumlichkeiten betrifft) sehr positiv entwickeln wird.

Was uns blieb, war der Kontakt mit Ihnen über die, nennen wir es einmal „ Newsletters“.

Diese fast 30 Aussendungen im vergangenen Jahr umfassten die verschiedensten Themen, die alle einen Frankreichbezug hatten und die von Chansons zu demselben Thema akustisch begleitet wurden.

Diese Aussendungen gingen nicht nur an Mitglieder der ÖFV sondern auch an Freunde der Vereinigung, von denen wir hoffen, dass sie eines Tages Mitglieder werden. Solange die Pandemie uns zur Inaktivität zwingt, werden wir dieses „Service“ für beide Gruppen aufrechterhalten.

Zu einem späteren Zeitpunkt wird diese „Leistung“ verständlicherweise den Mitgliedern vorbehalten bleiben.

Die ÖFV wird bei den ersten realistisch erscheinenden Möglichkeiten das Programm wieder aufnehmen. Es müssen nicht nur die Bedingungen, unter denen ein Veranstaltungssaal gemietet werden kann, geprüft werden, sondern auch unter welchen Voraussetzungen z.B. die vorgesehenen Vortragenden anreisen können.

Eine Reihe von Veranstaltungen wie der Vortrag über das Foucault’sche Pendel, den Louvre in Abu Dhabi oder der geplante Vortrag „Der Herzog von Reichstadt im Spannungsfeld der Politik“ so wie Jacques Le Rider’s Betrachtungen zu Schnitzler und Doderer (auf Französisch) dürfen bloß als aufgeschoben betrachtet werden.

Bitte geben Sie uns erneut per Mail an info@oefv.org Ihre Mailadresse bekannt, besonders für den Fall, dass sie geändert worden ist. Wir wollen unsere Adressendateien auf den letzten Stand bringen.

Da gilt im Besonderen für jene Mitglieder, die aus welchen Gründen auch immer, keine Newsletter erhalten.

Was die postalische Adresse betrifft, weisen wir Sie daraufhin, dass in vielen Fällen die Aussendungen zurückkommen, wenn uns die Türnummer nicht mitgeteilt worden ist.

Ich hoffe, dass in diesem Jahr noch ein schönes und interessantes Programm möglich sein wird. Im Besonderen freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen und wünsche Ihnen allen Gesundheit, Gelassenheit, Offenheit und gegenseitige Rücksichtnahme.

Um mit zwei Strophen aus einem der letzten Chansons von Pierre Perret zu enden:

Oui, on s’en fera des bisous
Bientôt, bientôt, bientôt
De voraces, baisers de loup
Jusqu’aux bisous très doux
Des bisous sur les paupières
Et des patins d’enfer
Mais ils peuvent nous faire payer un impôt
S’ils voient qu’on s’embrasse trop
…………..
Oui, on va s’éclater d’rire
Bientôt, bientôt, bientôt
On oubliera le croque mort
Qui venait compter les morts
On oubliera leurs mensonges
Et leur fausse empathie
Et sans rancune on va passer l’éponge
Quand ils seront partis

Dr. Heinz-Christian Sauer
ÖSTERREICHISCH-FRANZÖSISCHE VEREINIGUNG